cambio feiert 30 Jahre CarSharing im Rheinland: Am Anfang war alles noch improvisiert

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Allgemein Aus der Welt von cambio

Vor 30 Jahren startete die Geschichte der Kölner CarSharing-Initiative STATTAUTO. Drei Jahrzehnte, in denen im Unternehmen viel passiert ist. Der Zusammenschluss mit anderen deutschen CarSharing-Pionieren am Anfang des Jahrtausends machte aus STATTAUTO Köln cambio Köln. Mittlerweile konnten weitere Städte im Rheinland erschlossen werden und es entstand ein Angebot, das weit über die Kölner Stadtgrenzen hinausgeht – aus cambio Köln wurde cambio Rheinland.

Den Anfang machten zwei CarSharing-Autos

Am Anfang der 1990er Jahre galt das eigene Auto noch als größeres Statussymbol als heute. Sich ein Auto zu teilen, wurde von den meisten Menschen lediglich als eine Lösung für diejenigen angesehen, die sich kein eigenes leisten konnten.

Drei Gleichgesinnte aus Köln ließen sich von dieser Ausgangssituation jedoch nicht abhalten. Sie taten sich im Frühling 1992 zusammen, um ihre Vision von einer lebenswerteren Stadt anzugehen. Autos sollten besser ausgelastet werden, um so die Stadt vom Blech zu befreien, das viel zu oft nur ungenutzt herumstand. Und wie ist dies besser zu erreichen, als sich die Autos zu teilen?

Das erste CarSharing-Angebot entstand auf dem Hof eines Taxi-Anbieters in Köln-Ehrenfeld.

Das erste CarSharing-Angebot entstand auf dem Hof eines Taxi-Anbieters in Köln-Ehrenfeld.

Sie starteten ein CarSharing-Angebot mit zwei Fahrzeugen und 10 CarSharing-Nutzer*innen. Ein Opel Astra und ein Opel Corsa wurden auf dem Hof eines Taxi-Anbieters in Köln-Ehrenfeld geparkt. Im Büro hing ein Holzkästchen mit den Autoschlüsseln und einer Liste auf Papier, um die Ausleihzeiten der Fahrzeuge einzutragen. Alle Nutzer*innen hatten einen Schlüssel und die Ausleihe lief größtenteils in Eigenregie. Das geteilte Auto in Köln war geboren.

Das erste Pressefoto von 1992.

Das erste Pressefoto von 1992.

Ausbau und Entwicklung

Die kleine CarSharing-Community wuchs. Sie verstand sich als Avantgarde und gewann immer mehr Mitstreiter*innen. STATTAUTO wurde bequemer erreichbar: Als Untermieter des VCD konnte das erste Kundenbüro am Krefelder Wall im Kölner Agnesviertel bezogen werden. Langsam aber stetig wurde alles ein bisschen größer und professioneller.

Das STATTAUTO Büro im Agnesviertel.

Das STATTAUTO Büro im Agnesviertel.

Die Gemeinschaft war eng verbunden und so wurden auch Sommerfeste gemeinsam gefeiert.

Sommerfest 1994

Das Sommerfest 1994.

Im Laufe der Jahre kamen Stationen und Fahrzeuge hinzu. Um die Fahrzeuge mehr Menschen zugänglich zu machen, brauchte es Entwicklungen: Eine Holzbox mit Schlüsseln und eine Liste auf Papier konnte keine Dauerlösung sein. In Eigenregie wurden kleine Tresore geschweißt, damit die Autos leichter zugänglich waren und jede*r Kund*in bekam einen eigenen Schlüssel.

Schlüsseltresor analog Anfang der 90er vs.

Schlüsseltresor analog Anfang der 90er vs. …

...Schlüsseltresor elektronisch Ende der 90er.

…Schlüsseltresor elektronisch Ende der 90er.

Zusätzlich entstand das erste elektronische Buchungssystem. Ende der 1990er Jahre wurden die Klein-Tresore dann durch modernere Wandtresore ersetzt, die mit einer Chipkarte geöffnet werden konnten.

Zusammenschluss mit anderen CarSharing-Pionieren

Um wachsen zu können, waren weitere Schritte nötig: Die Technik musste bedienfreundlicher, Buchungssysteme einfacher und für die größer werdende Kundenzahl ausgelegt werden. Eine starke Marke und ein einheitliches Auftreten sollten die Dienstleistung bekannter und den Fahrzeugeinkauf einfacher und kostengünstiger machen.

Der nächste logische Schritt war daher der Zusammenschluss mit zwei weiteren CarSharing-Visionären im Jahr 2000. STATTAUTO Köln, StadtteilAuto Aachen und StadtAuto Bremen machten von nun an gemeinsame Sache und gründeten die cambio-Gruppe. Die Marke cambio CarSharing war geboren und aus STATTAUTO Köln wurde cambio Köln.

STATTAUTO

Aus STATTAUTO…

Aus STATTAUTO wurde cambio.

…wurde im Jahr 2000 cambio.

Seither gibt es unter der neuen Marke einen gemeinsamen Internetauftritt, eine gemeinsame Software, einen zentralen Einkauf und eine Buchungs-Hotline, die rund um die Uhr erreichbar ist.

Neue cambio-Zentrale in der Maastrichter Straße

Nun ging es richtig los. Bald war das cambio-Büro am Krefelder Wall zu klein und so zog cambio um in die Maastrichter Straße im Belgischen Viertel. Durch die zentrale Lage gut erreichbar, sitzt die Kölner Geschäftsstelle noch heute dort.

In der Maastrichter Straße wurde die cambio-Vision ganz praktisch umgesetzt: Ein Teil eines Parkdecks in einem Parkhaus wurde zu Büroräumen umgebaut. Noch heute erinnern die Stellplatznummern daran, dass hier einst Autos parkten. Die Station MAAS befindet sich auf demselben Stockwerk. Sie ist bis heute mit 60 Fahrzeugen die größte CarSharing-Station Europas.

Die Stellplatznummern im Büro in der Maastrichter Straße erinnern an die ehemalige Nutzung als Parkhaus.

Die Stellplatznummern im Büro in der Maastrichter Straße erinnern an die ehemalige Nutzung als Parkhaus.

Mit dem Angebot wuchs auch die Anzahl der cambio-Mitarbeiter*innen, mittlerweile arbeiten 80 Menschen im CarSharing-Betrieb. Sie kümmern sich um Fahrzeuge und Stationen, Kunden und Interessierte – eben um alle und alles, damit es rund läuft.

Ausbau zum flächendeckenden CarSharing-Netz

Seit den zarten Anfängen in Köln-Ehrenfeld bis heute ist viel passiert. Das Wachstum des Angebots beschränkte sich nicht nur auf die Verdichtung des bestehenden Kölner Stationsnetzes. Das CarSharing-Angebot ist in den letzten Jahren weit über die Stadtgrenzen hinausgewachsen.

Das Kölner Stationsnetz im Jahr 2000.

Die Stand des Kölner Stationsnetzes im Jahr 1999…

Entwicklung des Kölner Stationsnetzes - 1999 und heute.

…und das Stationsnetz heute.

Inzwischen wurden Bonn, Hürth, Brühl, Sankt Augustin, Siegburg, Dormagen, Frechen und zuletzt Erftstadt mit CarSharing à la cambio versorgt. Damit war es nur ein folgerichtiger Schritt, dass cambio Köln mittlerweile in cambio Rheinland umbenannt wurde. Richtig „komplett“ ist das „Rheinland“ seit Mai 2021, als mit Düsseldorf auch die NRW-Landeshauptstadt dazu stieß. Heute bedient cambio 38.000 cambio-Kund*innen im Rheinland, die auf 750 cambio-Fahrzeuge an 180 Stationen zugreifen können.

Neben den Privatkund*innen nutzen heute auch viele Unternehmen, Vereine und Behörden CarSharing als praktische Alternative zum eigenen Fahrzeug. Private Autos und Firmenfuhrparks werden abgeschafft und Fahrten insgesamt reduziert. Als das Homeoffice für viele Teil des neuen Arbeitsalltags wurde, stellte sich das cambio-Auto als die perfekte Ergänzung zum firmeneigenen Fuhrpark heraus.

CarSharing als Teil des Umweltverbunds

cambio Rheinland ist eine feste Größe in der Region und Ansprechpartner für Kommunen, Unternehmensvertretungen und Verkehrsplanung. Besonders wichtig für eine multimodale Stadtmobilität ist die Zusammenarbeit mit den örtlichen ÖPNV-Unternehmen und den Stadtverwaltungen. Noch in den 90er Jahren startete die enge Kooperation mit den Kölner Verkehrsbetrieben und die Partnerschaft mit der Stadt Köln, deren Mitarbeiter*innen heute für Dienstfahrten den Bus, die Bahn und CarSharing mit cambio nutzen.

Marketing-Kampagne mit den KVB, Anfang 2000er

Marketing-Kampagne mit den KVB, Anfang 2000er.

cambio wächst auch Überregional

Auch die cambio-Gruppe ist insgesamt gewachsen und mit dem CarSharing-Angebot in 34 deutschen und 92 belgischen Städten vertreten. Durch gemeinsame Kooperationen mit anderen CarSharing-Organisationen können die cambio-Kund*innen die CarSharing-Fahrzeuge sogar in über 360 Städten in Deutschland und Belgien nutzen. Was einst als kleine Unternehmung begann, ist heute längst zur professionellen Dienstleistung geworden.

Noch ist die cambio-Vision vom Beginn nicht erreicht, aber wir kommen ihr immer näher. Denn für uns ist sie heute noch so gültig wie damals:

Lebenswerte Städte für Menschen, nicht für Autos.

 

(Text: Nina Berkele, Tanya Bullmann, Fotos: cambio Rheinland)

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